Die IGS ist Fairtrade Schule

Die IGS handelt fair – Das Fairtrade-Siegel wurde endlich verliehen

 

Nastätten. Die Süßigkeiten im Kiosk der Nicolaus-August-Otto-Schule sind ein Umsatzrenner, obwohl sie sich vom aus den Discountern bekannten Sortiment unterscheiden. Sie stammen ausschließlich aus fairem Handel, was nicht vom Zugreifen abhält. „Wir sind sehr positiv überrascht“, sagt der Lehrer Fabian Hillingshäuser zum guten Absatz, und nun ist Fair Trade in der Schule noch präsenter. Am Samstag, 16. September, erhielt die IGS nämlich das Siegel, das sie als Fair-Trade-Schule ausweist.

Den Rahmen dazu bot der Tag der Schulen im Jahr des Stadtrechte-Jubiläums. Das Zertifikat bedeutet nun nicht, dass sich der Alltag in allen Facetten ändert. Im Kiosk gibt es zum Beispiel nach wie vor Erzeugnisse wie Backwaren aus regionaler Herstellung und später womöglich Bio-Milch, die kein Fair-Trade-Label tragen. Doch der Gedanke „fair, biologisch, regional“ breitet sich eindeutig aus.

Das Projekt läuft bereits seit einer Weile. Als Hillingshäuser im Sommer 2016 als Lehrer für Erdkunde und Sport nach Nastätten wechselte, hatte eine Konferenz bereits den Beschluss gefasst, sich zur Fair-Trade-Schule entwickeln zu wollen. Dafür waren im Vorfeld fünf Bedingungen zu erfüllen. Die Erste war, ein Fair-Trade-Team zu gründen, ihm

 

gehören jeweils sechs Lehrer und Schüler sowie eine Elternvertreterin an.

Die Mitglieder erarbeiteten einen als Agenda zu verstehenden „Kompass“. „Wo wollen wir in den nächsten Jahren hin?“, lautete die Leitfrage, um sich detailliert über den Unterricht oder den Kiosk Gedanken zu machen. Ein weiteres Kriterium fordert, fair gehandelte Produkte anzubieten. Das geschieht etwa beim Tag der Schulen oder bei Berufsmesse und Elternabenden mit den entsprechenden Getränken.

Im Unterricht soll Fair Trade in mindestens zwei Jahrgangsstufen und in wenigstens zwei Fächern zum Thema werden. Der Wahlpflichtunterricht in „Natur und Technik“ und Sozialpädagogik eigne sich dazu, berichtet Hillingshäuser. Im ersten Fach lasse sich beispielsweise anschaulich machen, was ein alternatives „Fairphone“ ist und was der Abbau des sonst in Handys verwendeten Bodenschatzes Tantal im Kongo unter Beachtung vieler Aspekte von Umweltzerstörung bis Bürgerkrieg bedeutet.

Kurz vor dem Valentinstag wurden auf dem Pausenhof ca. 190 faire Rosen verschenkt. „Das war ein sehr schönes Bild“, schildert Hillingshäuser. So lässt sich der Punkt Veranstaltungen und Aktionen als letzte Bedingung für das Zertifikat erledigen. Am 16. September ging es inhaltlich weiter, die Integrierte Gesamtschule stellte in Abstimmung mit den anderen Nastätter Schulen das Leitmotiv „Schule morgen“ dar.

Dazu zählte, dass sich Zehntklässler speziell „Lebensmitteln und Fair Trade“ widmeten. Es gab Einblicke in ein Kochbuch für eine Küche mit ausschließlich fairen Lebensmitteln und etwas zu probieren. Vieles sollte versuchsähnlich vermittelt werden, wie die „Blindverkostung“ von konventionell und biologisch fair gebackenem Kuchen. Die Kiosk-AG wirkte mit, ein Informationsstand stand parat.

Gute Kontakte existieren zwischen der Nicolaus-August-Otto-Schule und dem Eine-Welt-Laden in Nastätten. Teilnehmer am Wahlpflichtunterricht Sozialpädagogik besuchen den Laden, der natürlich ebenso als Bezugsquelle dient. Sonst beliefert das Fair-Handelszentrum Rheinland aus der Nähe Bonns die Schule, die wie andere Institutionen einen Rabatt in Höhe von 20 Prozent gewährt bekommt.

Über den Tag der Schulen hinaus reifen Ideen und Visionen, wie Fair Trade noch stärker etabliert werden könnte. Hillingshäuser überlegt, fair hergestellte Bälle in den Sportstunden zu testen. Der Kiosk könnte sein Angebot um faire Schreibwaren ergänzen; die zugehörige AG hätte bei ihrem Übergang in eine Schülerfirma die Gelegenheit, sich mit Wirtschaftsethik auseinanderzusetzen: „Wollen wir Gewinn machen und wenn ja, wie viel?“, ist eine Frage dazu, wie teuer darf sein, was der Gemeinschaft nutzt?

Fabian Hillingshäuser sind als Mitglied des Schulteams Denkanstöße wichtig. „Wir wollen Anreize schaffen und Alternativen aufzeigen“, betont er. Interesse sei bei den Kindern vorhanden, Wissen eher weniger. Anknüpfungspunkte könnten zudem die Bienen-AG und die Hühner-AG der Schule liefern, wenn sie Einnahmen erzielen, die Fair Trade oder später einer denkbaren Partnerschaft mit einer ruandischen Schule zugutekämen. „Die Schüler brauchen etwas, womit sie sich identifizieren können“, sagt der Lehrer.